Help Australia (Yogis United)

Australien brennt. Immer noch, auch wenn die Bilder von brennenden Wäldern, verkohlten Tieren und Feuerwehrleuten, die verzweifelt gegen die Flammen ankämpfen, weniger geworden sind. Auch der Amazonas-Regenwald, die Lunge der Erde, brennt immer noch. Feuer, wo man auch hinschaut: Alaska, Sibirien, Indonesien. Selbst in Mecklenburg-Vorpommern sind im vergangenen Sommer 1.200 Hektar Wald niedergebrannt.

Mit dem Wald wird nicht nur der Lebensraum von Menschen und Tieren vernichtet, es verschwinden auch die CO2-Speicher der Welt. Mit jedem Hektar Wald, das den Flammen zum Opfer fällt, beschleunigt sich der Klimawandel. Wer angesichts dessen immer noch nicht kapiert, dass die Erde und die Menschheit an einem Kipppunkt stehen, ist entweder unverbesserlicher Optimist oder Klimaleugner, weltfremd oder naiv – oder alles zugleich.

Die Welt des 21. Jahrhunderts ist wie sie ist, weil wir leben wie wir leben. Und “wir“, das sind in aller erster Linie wir Menschen aus den Industrienationen, aus der so genannten entwickelten Welt. Wir betreiben Raubbau, vernichten Ressourcen, verbrauchen Unmengen an Energie. Eher gedankenlos als böswillig, aber was macht das am Ende für einen Unterschied?

Natürlich mag man – magst du – sagen: Was soll ich denn als Individuum tun? Mein Einfluss ist doch so gering. Und dann zuckst du mit den Schultern, und vielleicht ist dir sogar unwohl dabei, aber du machst weiter wie bisher. Genau das ist es, was Greta Thunberg und die Aktivisten von Fridays for Future dir und mir und den Kanzlern und Präsidenten der Industrienationen vorwerfen. Dieses Nichtstun. Dieses Weitermachen wie bisher. Und wer wollte ernsthaft bestreiten, dass sie recht haben?

Australien ist verdammt weit weg, und bisher bekommen wir den Klimawandel „nur“ in Form von zu lauen Wintern und heißen, trockenen Sommern zu spüren. Dennoch können wir erahnen, – wenn wir bereit sind, hinzuschauen –, was in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auf uns zukommen wird. Extremwetter und Naturkatastrophen nehmen zu. Der Meeresspiegel steigt, weil Pole und Gletscher schmelzen. Schon jetzt werden Kriege um Wasser und Nahrung geführt, wie jüngst der SPIEGEL in seiner Reportage „Regenkriege“ berichtete (SPIEGEL Nr. 3 vom 11.1.2020 über die Grenzregion von Tschad, Niger, Nigeria und Kamerun). Immer mehr Menschen machen sich auf den Weg nach Europa, nicht weil sie politisch verfolgt werden, sondern weil sie –auch als Folge des Klimawandels – in ihren Heimatländern keine Lebensgrundlage mehr haben. Weil der Regen ausbleibt und mit dem Regen die Ernte.

Was dabei oft gar nicht erwähnt wird: Jene, die nicht den Mut oder das Geld haben, um sich in das gelobte Land Europa aufzumachen, schließen sich immer häufiger aus purer Verzweiflung Warlords oder islamistischen Gruppierungen an. „Boko Haram und der Klimawandel marschieren Seite an Seite“, hat der SPIEGEL in der oben genannten Reportage geschrieben. Weil immer mehr Klimaflüchtlinge bei uns landen, hieße das für Deutschland: Die AfD und der Klimawandel marschieren Seite an Seite. Die Gefahr, dass in ganz Europa nationalistische Parteien wegen des Klimawandels noch stärker werden, ist jedenfalls riesig.

Ist die ökologische Krise vor allem eine spirituelle Krise?

Viele spirituelle Lehrer sind der Meinung, die Ursachen sowohl der ökologischen als auch all unserer sozialen Krisen seien überwiegend spiritueller Natur, eine spirituelle Krise. Weil sich alles nur noch um uns selbst drehe, den persönlichen Erfolg, das eigene Vorwärtskommen, verlören wir die Verbindung nicht nur zur Natur, sondern auch zu unseren Mitmenschen – und letztlich zu uns selbst.

Immer mehr Menschen spüren dies und versuchen dem Hamsterrad zu entkommen. Und landen, mit all ihrer spirituellen Leere und Sehnsucht, in irgendeinem Yogastudio.

Uns Yogis und Yogalehrern kommt deshalb eine ganz besondere Verantwortung zu. Denn Yoga ist der Weg zum eigenen Selbst, aber eben nicht zum Ego, sondern zum wahren, höheren Selbst. Weil sich dieses wahre Selbst verbunden fühlt mit allen Menschen, allen Wesen dieser Erde und nicht isoliert und alleine wie das Ego, entsteht zunehmend auch ein Verantwortungsbewusstsein für all die Wesen, die auf diesem wunderbaren Planeten leben. Vorausgesetzt, es gelingt uns in unseren Yogastudios, Yoga nicht als rein körperliche, sondern als spirituelle Praxis zu vermitteln.

Dabei müssen wir jedoch penibel darauf achten, dass wir nicht in einer Yogablase landen und uns aus der Welt zurückziehen, sondern mit all unserem Wissen und Bewusstsein versuchen, Gutes in die Welt zu  bringen. Ahimsa, eines der wichtigsten Prinzipien im Yoga, wird übersetzt mit Gewaltlosigkeit oder Nicht-verletzen. Aber Ahimsa ist nicht untätig, denn auch durch Untätigkeit kann Leid entstehen. Ahimsa bedeutet vielmehr, dass wir uns aktiv darum bemühen, eine friedvolle Atmosphäre um uns herum zu schaffen. Dass wir uns einsetzen für eine gerechte, intakte Welt und nicht passiv, wenngleich friedvoll, unser Leben leben und zuschauen, wie die Welt zugrunde geht.

Lokāḥ samastāḥ sukhino bhavantu singen wir am Ende des Ashtanga Yoga Schlussmantras: Mögen alle Wesen Glück und Harmonie erfahren. Aber überall werden Leben vernichtet, gehen Welten zugrunde – durch unser Verhalten. Durch unsere Passivität und unser Weiterso. Allein in Australien sind geschätzt über eine Milliarde Tiere verbrannt, viele davon aus bedrohten Arten, die nur auf diesem Kontinent vorkommen. Und die Welt schaut zu, entsetzt, aber tatenlos.

In unserem Yogaunterricht predigen wir Mitgefühl und Liebe, durch unsere Praxis wollen wir zu mitfühlenderen, liebenderen Menschen werden. Aber was nützt diese Liebe, wenn sie passiv ist?

„Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit“, hat Elie Wiesel einst gesagt. Wiesel, der die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt hat und 1986 den Friedensnobelpreis für seine Vorbildfunktion im Kampf gegen Gewalt, Unterdrückung und Rassismus erhielt. Was im Moment auf der ganzen Welt passiert – in der Politik, aber auch in den Gesellschaften, grenzt an Gleichgültigkeit.

Yoga aber ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit. Yoga heißt Anteil nehmen, mitfühlen, absolute Verantwortung übernehmen: für das eigene Leben; für die eigenen Taten und die Folgen dieser Taten; Verantwortung für die Welt.

„Alles, was ist, geht mich an“, hat Günter Eich gedichtet. Es sollte zum Mantra jedes Yogis und jeder Yogini, jeder Yogalehrerin und jedes Yogalehrers werden.

Australien ein Weckruf und Wendepunkt?

Australien ist nur ein Brandherd von vielen. Aber vielleicht kann es, gerade weil die Bilder, die uns erreichen, so dramatisch sind, ein Weckruf sein. Das Zeichen, das Ereignis, das wir noch gebraucht haben, um uns aus unserer Lethargie zu reißen, um aus der Passivität heraus und ins Handeln zu kommen.

Wir – das heißt das gesamte Team von Mattengold – haben uns deshalb entschlossen, wie viele andere Yogastudios auch dem Aufruf „Help Australia“ von Yogis United und Barbra Noh zu folgen und den gesamten Februar unter eben dieses  Motto zu stellen – Help Australia (Yogis United).

Alle unsere Lehrer und Lehrerinnen unterrichten im Februar honorarfrei eine Charity-Yogastunde. Für jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin in diesen Stunden spenden wir 5,- Euro an die australische Hilfsorganisation WIRES wildlife rescue (https://www.wires.org.au/).

Dies sind die Termine, und bitte kommt zahlreich, damit auch etwas in unserer Spendenkasse zusammenkommt:

Samstag, 1. Februar: Yoga für alle (10:00 – 11:15 Uhr), Bea Niedoresow
Dienstag, 4. Februar: Yoga Basic Deep & Slow (17:30 – 18:45 Uhr), Ralf Rossnagel
Sonntag, 9. Februar: Yoga für alle (10:00 – 11:15 Uhr), Kati Rügheimer
Dienstag, 11. Februar: Yin Yoga (19:00 – 20:30 Uhr), Nicole Eberbach
Samstag, 15. Februar: Pilates für alle (9:30 – 10:30 Uhr), Marvin Lloyd
Mittwoch, 19. Februar: Yoga für Schwangere (18:15 – 19:30 Uhr), Katrin Zimmermann
Sonntag, 23. Februar: Yoga für alle (17:30 – 18:45 Uhr), Jasmin Wichmann
Dienstag, 25. Februar: Pilates für alle (19:00 – 20:00 Uhr), Natalia Cichos-Terrero
Samstag, 28. Februar: Yin Yoga (16:30 – 18:00 Uhr), Yifeng Wang

Vor und nach diesen Stunden stellen wir ein Spendenkässchen auf, so dass auch ihr als Teilnehmer, wenn ihr möchtet, euren Beitrag zu „Help Australia (Yogis United)“ leisten könnt.

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