Vorschlag für ein funktionierendes Abstands- und Hygienekonzept für Yogaschulen

In der offiziellen Stellungnahme des Staatsministeriums Baden-Württemberg steht, dass für die Festlegung des Stufenplans folgende Überlegungen maßgebend waren: Welche Infektionsrisiken bestehen? Gibt es eine Möglichkeit, ein wirksames Konzept zu entwickeln, um das Infektionsrisiko zu vermindern? Lässt sich eine solche Konzeption zur Risikominimierung wirksam durchsetzen und kontrollieren?

Die Fragen sowohl nach den Entwicklungs- als auch Durchsetzungs- und Kontrollmöglichkeiten wirksamer Konzepte zur Verminderung des Infektionsrisikos können wir eindeutig mit JA beantworten. Deshalb ist für uns nicht nachvollziehbar, weshalb Yogastudios zusammen mit Besucherzentren, Freizeitparks, Spaß- und Freizeitbädern in die Stufe 4 (orange) eingeordnet werden und nicht wie zum Beispiel Massage-, Kosmetik- und Nagelstudios, die sogar einen direkten Kundenkontakt haben und Abstand also nur schwer einhalten können, in die Stufe 1 (hellgrün).

Auch sehen wir die Notwendigkeit einer unbedingten Differenzierung zu Fitnessstudios, denn Ablauf und Art der Praxis beziehungsweise des Trainings unterscheiden sich erheblich.

  • Im Yoga werden zwar gelegentlich Hilfsmittel wie Blöcke oder Gurte eingesetzt, auf diese kann jedoch gut verzichtet werden. Es gibt also keine Geräte, die von verschiedenen Menschen angefasst werden (weshalb zum Beispiel Einweghandschuhe unnötig sind), zudem kann angeordnet werden, dass aus Hygienegründen die Teilnehmer auf ihren eigenen Matten praktizieren müssen.
  • Ein wesentlicher Aspekt der Yogapraxis ist der Atem. Aber: Während für Fitnessstudios ein größerer Abstand gefordert wird, weil wegen der hohen Atemfrequenz und des großen Ausatemvolumens die Tröpfchen deutlich weitergetragen werden, so trifft dies für Yogapraktizierende eindeutig NICHT zu. Ruhig und gleichmäßig zu atmen – und zwar ausschließlich durch die Nase – ist fester Bestandteil der Yogapraxis. Den Atem zu kontrollieren, auch während einer körperlich anspruchsvollen Praxis, darauf beruht zu einem wesentlichen Teil die Wirkung der Yogapraxis. Das Tragen eines Mundschutzes ist deshalb nicht sinnvoll, ja wahrscheinlich sogar kontraproduktiv, weil Teilnehmer dann unter Umständen gezwungen wären, doch durch den Mund zu atmen, um genügend Luft zu bekommen. Auch eine Begrenzung von einem Teilnehmer pro 10 m2 ist vor diesem Hintergrund nicht zu begründen.
  • In einer Yogastunde gibt es keine Bewegungen im Raum. Jeder übt auf seiner eigenen Matte, die Bewegungen laufen synchron ab. Ein Abstand von zum Beispiel 2,5 Metern bleibt konstant ein Abstand von 2,5 Metern, eine „Face-to-Face“-Praxis ist ausgeschlossen.
  • Yoga-Praktizierende sind achtsame und respektvolle Menschen, sowohl im Umgang mit sich selbst als auch im Umgang mit anderen. Schon vor dem Shutdown haben die Studios ihre Schüler angewiesen, beim geringsten Verdacht auf eine Erkrankung, insbesondere bei Husten und Fieber, zu Hause zu bleiben. Dies wurde von allen respektiert und eingehalten.

Eckpunkte eines Abstands- und Hygienekonzepts für Yogastudios

  • Der Abstand zwischen den Teilnehmern beträgt 2,50 Meter.
    (Dies entspricht einer Fläche von 6,25 m2 pro Teilnehmer, was den Anforderungen an den Infektionsschutz genügen sollte und darüber hinaus einen einigermaßen wirtschaftlichen Betrieb sichern würde; bei einer Begrenzung auf einen Teilnehmer pro 10 m2 Fläche wäre ein wirtschaftlicher Betrieb dagegen nicht mehr möglich).
  • Markierungen am Boden sorgen dafür, dass die Abstände zwischen den Matten und somit den Übenden eingehalten werden.
  • Die Teilnehmer praktizieren auf ihren eigenen Matten. Das Verleihen von Matten und der Einsatz von Hilfsmitteln werden ausgesetzt.
  • Umkleidekabinen und Duschen (wo vorhanden) werden geschlossen, die Übenden kommen bereits umgezogen zum Unterricht.
  • Zwar ist das Assistieren, das aktive Unterstützen der Übenden in ihrer Praxis durch den Yogalehrer, ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts. Dennoch kann, um das Infektionsrisiko zu minimieren, auch hierauf vorübergehend verzichtet werden.
  • Um „Staus“ vor oder nach den Stunden zu vermeiden, sollten die Pausen zwischen den Kursen 30 Minuten betragen (normalerweise sind es 15 Minuten).

Darüber hinaus gelten die allgemeinen und speziellen Hygienemaßnahmen sowie die Empfehlungen zu weiteren Maßnahmen des „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard – Empfehlungen für die Branche Fitness- und Sportstudios“ des VBG.

Unterricht für Übende, die der Risikogruppe angehören

In nahezu jedem Yogastudio üben auch Teilnehmer die – aufgrund ihres Alters oder aufgrund von Vorerkrankungen – der Risikogruppe angehören. Um diese Menschen besonders zu schützen, könnten spezielle Kurse mit verschärften Abstands- und Hygienevorschriften angeboten werden.

In diesem Fall wäre tatsächlich eine Begrenzung auf einen Teilnehmer pro 10 m2 Fläche sinnvoll.
Ob in diesen Kursen trotz der oben genannten Einwände mit Mundschutz unterrichtet und praktiziert wird, wäre zumindest als Option zu diskutieren.

Was passiert im Falle einer Infektion?

Dadurch, dass sich in Yogastudios generell alle Teilnehmer registrieren, ist eine Nachverfolgung von Infektionsketten im Falle einer Erkrankung eines Teilnehmers exakt und schnell möglich.

Wichtig wäre, damit der weitere Betrieb des Studios dennoch aufrechterhalten werden kann, dass

  • alle Lehrer (zwingend)
  • die Schüler, die mit der erkrankten Person Kontakt hatten (wünschenswert)

schnell und unbürokratisch die Möglichkeit erhalten, sich testen zu lassen.

Wünschens- und empfehlenswert wäre darüber hinaus – ähnlich wie in der Fußball-Bundesliga im Sinne einer Ansteckungsprophylaxe – alle Lehrer einmal pro Woche auf COVID 19 zu testen (es sei denn, es liegt bereits eine Immunität vor).